Das Gletscherarchiv Fotovergleiche Foto-Ausstellung Klimawandel Die Folgen Informationen Literatur Links Pressespiegel Fördermöglichkeiten Kontakt Impressum
Das Eis der Gletscher ist ein Klimaarchiv, und Gletscher sind das oft zitierte Gedächtnis der Klimageschichte: Der spektakuläre, weltweite Rückzug der Gebirgsgletscher gehört denn auch nach wie vor zur sichersten Evidenz dafür, dass sich das Klima der Erde seit dem Ende der Kleinen Eiszeit um die Mitte des 19.Jahrhunderts markant verändert hat. Gebirgsgletscher gelten deswegen als Schlüsselindikatoren für Klimaänderungen, sozusagen als eine Art globales Fieberthermometer. 1)
In den Alpen ist der Gletscherschwund besonders gut untersucht: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts - dem Beginn der Industrialisierung - bis Mitte der 1970er Jahre verloren die Alpengletscher im Durchschnitt etwa ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihres Volumens. Seitdem sind weitere 20 bis 30 Prozent des Eisvolumens abgeschmolzen. Im extrem heissen Sommer 2003 gingen nach Schätzungen allein 5 bis 10% ihres Gesamtvolumens vom Jahr 2000 verloren. 2)
Inzwischen erreicht der Schwund eine Größenordnung, die erst für das Jahr 2025 erwartet worden war. Gletscherforscher rechnen mit dem fast vollständigen Abschmelzen der Alpengletscher noch in diesem Jahrhundert 3)
Siehe auch: Fotovergleiche
Der Schwund der Gebirgsgletscher ist ein globales Phänomen. Nach Untersuchungen des World Glacier Monitoring Service haben die Gletscher des weltweiten Massenbilanz-Messnetzes seit 1980 alljährlich im Mittel etwa 30 cm an Eisdicke verloren, wobei eine zunehmende Tendenz festgestellt wird.
Das Worldwatch Institute prognostiziert, dass bis zum Jahr 2050 rund 25 Prozent der Gletschermasse weltweit verloren gehen. In den Hochgebirgen der Erde - in Europa, Nord- und Südamerika, in Afrika und Asien - schmelzen bereits (fast) alle Gletscher deutlich.
Rund 2000 Gletscher im Ost-Himalaya sind schon verschwunden.
Der Kilimandscharo, mit 5895 Metern der höchste Berg Afrikas, verlor seit Beginn der Aufzeichnungen 1912 mehr als 80 Prozent seiner Schnee- und Eismasse. Pro Jahr schwindet mindestens ein weiterer halber Meter an Eisdicke. Ein Forscherteam schätzt aufgrund von Eisproben das Alter des Gletschers auf 11.700 Jahre. In weniger als 20 Jahren könnte das letzte Gletschereis des Kilimandscharo verschwunden sein.
Unwiederbringlich verloren ist das Eis dann auch als Klimaarchiv der Erdgeschichte.
Alarmierend ist der Gletscherschwund auch in Patagonien, wo nach Angaben von Greenpeace über 40 Kubik-Kilometer Eis pro Jahr abtauen. Die riesigen Eisfelder Patagoniens in Chile und Argentinien gehören zu den am schnellsten schmelzenden Eismassen der Welt.
Mit dem Gletscherschwund erhöht sich das Gefahrenpotential weltweit:
Der 4. IPCC-Bericht vom Februar 2007 warnt vor einem beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels: Von 1961 bis 1992 betrug der Anstieg etwa 1,8 Millimeter pro Jahr, seit 1993 bis 2003 steig das Meer aber bereits um 3,1 Millimeter jährlich.
2002 veröffentlichte das UN-Umweltprogramm (Unep) eine Studie, die vor Flutkatastrophen durch schmelzende Gletscher in der Himalaya-Region warnt: 44 Gletscherseen stellen durch ihren hohen Wasserstand eine reale Bedrohung für die Täler und großen Abflußgebiete dar. Durch den schnellen Anstieg der Gletscherseen, die durch Eisdämme, Schutt und Geröll aufgestaut werden, können nach Dammbrüchen Flutwellen ausgelöst werden. Solche Gefahrenpotentiale gibt es auch in den Anden. Dauerbeobachtungen und Warnsysteme fehlen.
Nach den Fluten drohen Dürre und Wüstenbildung. Gletscher speisen die großen Flüsse Asiens.
Sollte Grönland eisfrei werden, wird nach Berechnungen der weltweite Meeresspiegel um mindestens sieben Metern ansteigen.
Auch an den Polkappen schwindet das Eis mit beängstigendem Tempo. Gletscher und Eis in der Arktis und westlichen Antarktis schmelzen schneller als noch vor wenigen Jahren vorhergesagt. Der Temperaturanstieg ist an den Polkappen zwei- bis dreimal höher als im globalen Durchschnitt.
Das Nordpolarmeer könnte in den nächsten 50 bis 70 Jahren eisfrei werden.
In der westlichen Antarktis sind in den letzten Jahren riesige Eisflächen abgebrochen und driften als Eisberge im Südpolarmeer oder bilden Barrieren gigantischen Ausmaßes zum offenen Meer hin.
Die einzigartigen Ökosysteme der Polarregionen sind akut bedroht.
In der nördlichen Polregion gefährdet der Klimawandel das Überleben der Eisbären und am Südpol das der Pinguine.
Für das globale Klima sind die Polkappen mit ihren Vergletscherungen von großer Bedeutung. Niemand wagt vorherzusagen, was der Gletscherschwund in diesen Eisregionen für das weltweite Klima bedeutet.
Wissenschaftler des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen haben in ihrem neuesten 4. Bericht am 2.Februar 2007 vor einer Klimaerwärmung um bis zu 6,4 °C bis zum Ende dieses Jahrhunderts gewarnt. In Abhängigkeit vom weiteren Anstieg der Treibhausgase werden die Temperaturen im günstigsten Fall um 1,1 bis 2,9°C, im schlimmsten Fall aber um 2,4 bis zu 6,4 °C global ansteigen.
Elf der vergangenen zwölf Jahre sind unter den zwölf wärmsten seit Beginn der Klima-Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die letzten Jahren haben das sehr deutlich gezeigt: 2001 und 2002 waren ungewöhnlich heiß, und der Sommer 2003 hat in Europa alle bisherigen Hitzerekorde gebrochen.2006 berichten Wissenschaftler des Goddard-Instituts für Weltraumforschung der NASA, dass die Erde den Höhepunkt der Erwärmung der vergangenen 12.000 Jahre erreicht hat. Das Jahr 2005 war nach einer Studie der Nasa das wärmste jemals registrierte Jahr und auch 2006 war ein Jahr der Wetterrekorde: die Schneemassen im Frühjahr, die Hitze im Juli, der heiße Herbst und der schneelose Winter.
Die global gemittelte Temperatur der Erde ist in den letzten 100 Jahren um etwa 0,8 °C angestiegen, davon allein um 0,6 °C in den zurückliegenden 30 Jahren.
Der Kontinente der Nordhalbkugel haben sich in den mittleren und hohen geographischen Breiten bisher am stärksten erwärmt: In Deutschland liegt der Temperaturanstieg im 20. Jahrhundert bei +0,9°C, in Österreich bei +1,1 und in der Schweiz bei +1,4°C. Besonders in den Alpen wurde es wärmer: um bis zu 2°C.
Die Hauptursache ist der CO2-Anstieg durch die Nutzung und Verbrennung fossiler Brennstoffe - Erdöl, Kohle und Erdgas.
In den nächsten Jahren wird sich dieser Prozess noch beschleunigen. Die Klimawirksamkeit von CO2 und anderer Treibhausgase setzt erst mit zeitlicher Verzögerung von drei Jahrzehnten ein. Heute sind wir vom CO2-Ausstoß von vor 30 Jahren betroffen. Gleichzeitig verursachen wir täglich die Klimaänderung der nächsten 30 Jahre.
In Bergregionen wirkt sich - wie an den Polkappen - die Klimaänderung extremer aus. In den Alpen wurde es bereits um bis zu 2°C wärmer. Die Temperatur nimmt dabei in der Höhe schneller zu als in tieferen Lagen und die Temperaturminima steigen dreimal schneller an als die Maxima: d.h. die Nächte werden wärmer 4). 1994, 2000, 2002 und 2003 waren in den Alpen die wärmsten Jahre der letzten 500 Jahre.
Die Nullgrad-Grenze lag im Sommer 2003 wochenlang über 4000 m Höhe. Das hat sich seither wiederholt.
Alle Klimafaktoren können sich in ihrer regionalen Verteilung unterschiedlich entwickeln: Intensität und zeitliche Verteilungsmuster der Strahlung, Verringerung der Albedo, Verdunstung von Wasser, Luftfeuchtigkeit, zeitliche Verteilung und Intensität von Niederschlägen und Schneemengen, Temperatur, Luftdruck und Luftbewegung.
Auch in Zukunft dürfte sich das Klima im Alpenraum überdurchschnittlich erwärmen. 5)
Nicht nur Schneemangel im Winter, sondern vor allem die strahlungsintensiven und warmen Frühlings- und Sommermonate und die Starkregenfälle sind für das schwindende Volumen und die negative Massenbilanz der Gletscher entscheidend. Dies zeigen die Gletschermessberichte an ausgewählten Gletschern in der Schweiz und in Österreich.6) 7)
Der Gletscherschwund wird über den Klima-Effekt hinaus auch durch die Luftverschmutzung (und den direkten Schmutzeintrag in Gletscherskigebieten) verstärkt, vor allem durch Feinstaub und Ruß. Auch Saharasand lagert sich auf den Gletschern ab.
Eine weiße Eisoberfläche reflektiert das Sonnenlicht fast vollständig. Diese sogenannte Albedo nimmt ab, je dunkler die Gletscheroberfläche durch Schmutzpartikel wird: Das Eis nimmt mehr Sonnenwärme auf.

Gletscherdreck: Schneeferner Zugspitze/Bayern, 2003 © GöF

Gletscherdreck: Hallstätter Gletscher Dachstein/Österreich, 2003 © GöF
Auch andere Rahmenbedingungen ändern sich. Durch die Schwächung der Ozonschicht nimmt die kurzwellige energiereiche UV-Strahlung zu. Dazu kommen die durch Abgase, fossile und andere Verbrennungsprozesse veränderten luftchemischen Reaktionen und Niederschläge (Saurer Regen).

Schwarzsee oberhalb Sölden/Tirol, Österreich, 2002 © GöF
Wie Untersuchungen an Fischen gezeigt haben, ist das Wasser hochgelegener Bergseen - wie dem Schwarzsee in Tirol - mit Dauergiften belastet, die hier noch langsamer als in den Tieflagen abgebaut werden. 8)
Gletscher sind nicht nur ein Klimaarchiv. Sie speichern auch die industrielle Verschmutzung. Mit dem Abschmelzen gelangen diese Gifte wieder zum Vorschein.